«Der Wein wird bestimmt gut»

 

Viele Rebberge im Sarganserland sind bereits leer. Auch beim Weinbauern Christian Müller aus Heiligkreuz neigt sich der Wimmet dem Ende zu. Nächste Woche sind er und seine Helfer mit den rund vier Hektaren Rebbergen durch. Dabei sammeln sie zwischen 15 bis 20 Tonnen Trauben, die Müller zu zwölf verschiedenen Weinen verarbeitet, wie Melser Chardonnay, Federweiss oder Sarganser Cuvée.


Seit neun Uhr morgens stehen die Wimmlerinnen und Wimmler an diesem Montag im Wingert an der Staatsstrasse zwischen Heiligkreuz und Sargans. Einige tragen Handschuhe, andere bevorzugen das Arbeiten mit blossen Händen. Zuerst schneiden sie die Trauben der Sorte Blauburgunder vom Rebstock. Einige davon sind brauchbar: die runden, prallen, in einem dunkeln Blau gefärbten. Die anderen gehören nicht in den Wein. Sie haben Pilze, sind ausgehöhlt oder wurden von der Kirschessigfliege gestochen. Mithilfe einer Schere schneiden die Wimmler die «schlechten» Trauben weg und sammeln die «guten» in einer orangen Kiste. Viele der Helfer wimmeln seit Jahren und sind entsprechend schnell in der Selektion. So füllen sie eine Kiste nach der anderen mit Trauben, die in einem grossen Behälter gesammelt und zum Weingut Steinersteg für die Verarbeitung transportiert werden.

Bei Regen geht nichts

Weinbauer Christian Müller, der das Weingut Steinersteg in Heiligkreuz leitet, wurde das Winzern in die Wiege gelegt. Seine Eltern stellten Wein her, wie bereits seine Grosseltern. Nach der Winzerlehre sammelte er Erfahrungen in anderen Rebbergregionen der Schweiz, bevor er zurück in Heiligkreuz wieder in den Familienbetrieb einstieg. Sein Bruder ist Landwirt und kümmert sich um den dazugehörenden Bauernhof.

Seit 14 Tagen wimmelt Christian Müller mit seinen rund 15 Helferinnen und Helfern. Darunter sind unter anderem Familienmitglieder oder auch langjährige Bekannte, die oft pensioniert sind. Das Wimmeln ist wetterabhängig. Regnet es, bleibt es in den Wingerten ruhig. «Die Trauben sollten nur gelesen werden, wenn sie trocken sind», erklärt Müller. Ansonsten ist der Traubensaft nach dem Pressen nicht so konzentriert, da noch eine gewisse Menge an Regenwasser dabei ist.

«Auch wenn ein paar Trauben an den Reben faulen, ist es wichtig, zu warten, bis die anderen die richtige Reife haben.»

Der Zeitpunkt der diesjährigen Trau­benlese bezeichnet Müller als üblich. «Die letzten Jahre war sie eher zu früh», sagt er. Er kümmert sich um vier Hektaren mit zwölf Reb­sorten, woraus er zwölf verschiedene Weine herstellt, wobei allerdings auch mehrere Sorten in einem Wein vorkommen können. Darunter sind Weine in Rot und Weiss, mit Namen wie Melser Müller Thurgau, Mel­ser Chardonnay, Melser Steinersteg und Sarganser Schlossherr. Die Farbe des Weines hat, wie Müller erklärt, übrigens nicht nur etwas mit der Schalenfarbe der Traube zu tun. Schliesslich ist eine Blauburgunder innen nicht blau, sondern weiss, wie eine weisse Traube. Damit der Wein die typische weinrote Farbe erhält, kommt die blaue Haut ins Spiel. Beim Rotwein wird die Schale mitvergärt, beim Weisswein dagegen folgt die Gärung ohne Schale. Es ist also auch mög­lich, aus Blauburgunder Weisswein herzustellen. Müller pflegt und hegt in seinen vier Hektaren etwa zwei Drittel blaue und einen Drittel weisse Trauben.

Die Qualität steht an oberster Stelle

Dieses Rebjahr ist durchschnittlich (siehe Frontseite). Dasselbe Fazit zieht auch Weinbauer Müller. Im Frühling gab es an einigen seiner Trauben Frostschaden. Als ein weiteres Problem nennt er die Wetterextreme dieses Sommers, der von Hitzewellen geprägt war. Und die Kirschessigfliege, die in manchen seiner Parzellen ihr Unwesen trieb, dafür andere ganz in Ruhe liess. Dazu kommt der echte Mehltau, der in diesem Jahr vermehrt vorgekommen ist. Alles im allem würde Müller die diesjährige Ernte keineswegs als schlecht bezeichnen. «Der Wein wird bestimmt gut», ist er sich sicher. Und die Natur lasse sich eben nicht steuern. Da müsse man auch etwas Geduld walten lassen. «Auch wenn ein paar Trauben an den Reben faulen, ist es wichtig, zu warten, bis die anderen die richtige Reife haben», sagt Müller. Qualität statt Quantität.

Altes bewahren und Neues probieren

Mitte Nachmittag sind die Rebstöcke zwischen Sargans und Heiligkreuz praktisch abgeerntet. Nur noch wenige Trauben hängen am Stock, die allerdings sowieso nicht für den Wein zu gebrauchen sind. Die Gruppe wechselt den Standort zu einem Wingert in Nähe des Sarganser Städtchens. Auch dort werden Blauburgunder gewimmelt. Bis um halb fünf, danach ist Feierabend. Müller zeigt in einer anderen Parzelle eine Rebsorte, die pilzresistent ist. Die Trauben weisen praktisch keine Schäden auf. Vor drei Jahren hat er sie gesetzt, nun sind sie erstmals bereit für die Ernte. Ob der Wein, der daraus entsteht, bei der Kundschaft auf Anklang stösst? Das weiss Müller nicht. Und lässt sich so wenig prophezeien, wie ob das nächste Weinjahr gut oder schlecht wird. Man muss es nehmen, wie es kommt. Und das Beste daraus machen. Das ist Christian Müller sich als Weinbauer gewohnt.