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Was ist das für ein Blitz? Dieser junge Hirsch stellt sich neugierig vor die Linse. (Pressebild)

Sie sind klein, stehen im Wald und machen von allem ein Bild, was innerhalb von 20 Metern in ihre Nähe kommt: Die Fotofallen, auch Wildkameras genannt. Wie sie verwendet werden, was ihr Zweck ist und wie die Tiere darauf reagieren, weiss Wildhüter Albert Good.

Luchse, Marder und Dachse sind Tiere, die wir kaum zu Gesicht bekommen. Sie sind wild, leben in den Wäldern und sind dann aktiv, wenn wir schlafen und sowieso kaum etwas sehen. Einer, der trotzdem viel über diese Tiere weiss, ist der regionale Wildhüter Albert Good. Eines seiner Hilfsmittel, wie er zu Informationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen kommt, ist die Fotofalle, auch bekannt als Wildkamera.

Die Fotofalle ist vergleichbar mit einem Blitzkasten für die Fahrgeschwindigkeit, nur ist sie viel kleiner und misst kein Tempo. Die Geräte besitzen einen Bewegungsmelder, am Tag gibt es Fotos ohne, in der Nacht Fotos mit Blitz und in Farbe. Die Sensoren der Kameras haben eine Reichweite von etwa 20 Metern. Wie Good erklärt, gibt es auch Fallen mit Infrarot, diese geben allerdings nur Schwarz-Weiss-Fotos. «Zudem können die Fallen Videoaufnahmen machen, wovon ich aber nie Gebrauch machen muss», sagt der Wildtierkenner. Eine Fotofalle gibt es in öffentlichen Einkaufsgeschäften schon ab rund hundert Franken zu kaufen, sie können auch teurer sein.

Den Luchsen auf der Spur

Das Aufsichtsgebiet von Good reicht vom Weisstannental bis zum Murgtal und von Quinten bis zum Gonzen. Mehr als drei Fotofallen braucht er nicht dafür. Er erklärt, dass die Jäger die Kameras aufstellen, um herauszufinden, wo sich die Wildtiere zu welcher Zeit aufhalten. Alle zwei Jahre führt Kora (Raubtierökologie und Wildtiermanagement) ein Luchsmonitoring durch, an welchem sich Good beteiligt, da in seinem Gebiet Luchse leben. In dieser Zeit bekommt der Wildhüter von Kora zehn Fotofallen, stellt diese an die Orte, wo er Luchse vermutet und lässt sie einige Wochen stehen, bevor die Auswertungen folgen. Im Rahmen dieses Monitorings stellt Good zwei Fotofallen am selben Platz auf. Das sei nötig, da die Luchse nicht auf beiden Seiten das gleiche Muster haben und man so erkennen könne, welcher Luchs es ist (falls er bereits in der Datenbank der Kora registriert ist).

Wird ein Tier von einem Luchs gerissen, stellt Good die Fotofalle etwa drei bis vier Tage am Ort des Risses auf. Er bindet das gerissene Tier an einen Pfahl, damit der Luchs es nicht wegschleppen kann. Nach wenigen Tagen entfernt er die Falle und schaut sich die Fotos, die auf einer Karte gespeichert wurden, am Computer an. Manch­mal sind gar keine, manchmal Dutzende Bilder gespeichert. «Es gibt heute auch Kameras, die die Fotos gleich aufs Handy senden», erklärt Good. Er fragt sich, ob auf diese Weise die Wildtiere von den Jägern nicht zu stark kontrolliert werden und gleichzeitig das Gespür für die Jagd verloren geht. Wenn dieses System dagegen bei Wildschweinen eingesetzt werde, die ein grosses Schadenpotenzial haben und nur nachts aktiv sind, sei der Einsatz durchaus sinnvoll und die Tiere könnten effizienter bejagt werden.

Monitoring für die Bestandeskontrolle

Auf den Fotos sind auch viele andere Tiere zu sehen: Hunde, Füchse, Krähen, Bussarde, Steinadler, Wildschweine, Dachse. Die Liste ist noch länger. Beim Luchsmonitoring geht es darum, regelmässig den Bestand zu kontrollieren. Zurzeit leben in Goods Aufsichtsgebiet mehrere Luchse, die regelmässig in die Nähe der Dörfer kommen. Der Luchs sei nicht so scheu, dennoch wird er kaum gesichtet.

Auf den Fotos erkennt Good, wie die Tiere auf die Fotofalle reagieren: «Einige erschrecken, einige werden neugierig und erkunden die Kamera, wieder anderen ist es egal.» Sachbeschädigungen an den Fotofallen hat er bis anhin nur wenige erlebt: «Dreimal wurde eine abgeschlagen und eine wurde mir gestohlen.» Dabei war jeweils der Mensch der Täter.

Wolfsbilder

Und wie steht es um den Wolf? Denn auch dieser lebt im Sarganserland, allerdings nicht in Goods Aufsichtsgebiet, sondern in jenem des Wildhüters Rolf Wildhaber. Dieser hat aktuell vier Kameras für die Wolfsüberwachung aufgestellt. «In den letzten drei Jahren habe ich keine Verschiebungen gemacht, lediglich die Jagdgesellschaften im Taminatal und südlichen Rheintal verschieben ihre Fotofallen regelmässig», sagt er. Und wie häufig werden die Wölfe «geblitzt»? Über das ganze Jahr gerechnet rund einmal pro Woche, so die Antwort des Wildhüters. Und gemäss seinen Aussagen reagieren auch die Wölfe nicht anders als die anderen Tiere auf das Geblitze: «Von neugierig, gleichgültig bis Flucht beobachte ich alles.»