Es fruchtet und flattert am Fliederweg

In Marcel Ronners Garten in Flums hat es Platz für Insekten und Pflanzen aller Art. Mit seinem Engagement schafft er neue Lebensräume und wurde dafür mit «drei Schmetterlingen» von Pro Natura Thurgau ausgezeichnet.  Ein Besuch in Ronners Pflanzenwelt.


Inmitten von Sträuchern, Blumen, Gräsern und Bäumen schwimmen rosarote und weisse Seerosen in einem Teich. Blau glänzen die Libellen, die so schnell über das Wasser fliegen, dass man ihnen mit blossem Auge nicht folgen kann. Zwischendurch machen sie Halt, ihre Flügel flattern kurz an Ort und Stelle, und schon sind sie wieder weg. Der Teich liegt in einem Garten in Flums, der von Flora und Fauna nur so strotzt. Dieser wiederum gehört zum Haus von Naturgärtner Marcel Ronner und seiner Partnerin Danielle Hobi. Ein Garten, der sich von vielen typischen Gärten der Region abhebt. Wo doch die meisten Hobbygärtner ein paar Sträucher, perfekt zugeschnittene Rosen und einen millimetergenau gemähten Rasen pflegen und hegen, ruft Ronner zum Gegenteil auf: Mit mehr Lebensräumen soll mehr Biodiversität entstehen.

«Das Gleichgewicht findet sich von selbst»

Marcel Ronner ist seit eh und je naturinteressiert. Die Namen der Pflanzen in seinem Garten kennt er alle. Bereits seit Jahren setzt er sich auch beruflich mit der Natur auseinander und war beispielsweise als Forstwart und Gärtner tätig. Seit Anfang Jahr ist er selbstständiger Naturgärtner. Zu seinen Aufgaben gehören die Bepflanzung mit einheimischen Sträuchern und Stauden, Steingärten bauen, Gartenpflege, Blumenwiesen anlegen, Beratungen und Weiteres. «Wir müssen vermehrt weg von unserem Ordnungssinn und den steifen Gärten», so Ronner. Sein Ziel ist es, Lebensräume für Insekten und Pflanzen zu schaffen. Hat ein Garten keine Pflanzen und keine Unterschlüpfe für die Tiere, halten sie sich auch nicht in dem Garten auf. Dementsprechend fokussiert sich Ronner auf die Blütenförderung, die das Fundament für Insekten sind.

Ronner und Hobi leben seit fast zehn Jahren im Haus an der Fliederstrasse in Flums. Die Artenvielfalt in ihrem Garten hat sich die letzten Jahre langsam zu dem entwickelt, was sie heute ist. «Unser Garten sieht jedes Jahr wieder anders aus», sagt Hobi. Die beiden setzen ein paar Samen, daraus wachsen Pflanzen oder es spriesst etwas aus dem Boden, das nicht gesät wurde. Sie lassen teils das stehen, was die meisten als Unkraut bezeichnen. Denn für Ronner und Hobi gibt es kein Unkraut. Es braucht Geduld, sagen die zwei Naturliebhaber. Man solle den Garten einfach einmal «machen lassen». «Das Gleichgewicht findet sich von selbst», so Hobi.

Von Käfern und Fröschen

Die Libellen flattern noch immer über den Seerosen. Ronner weiss Interessantes über die Insekten zu berichten: «Libellen leben bis zu fünf Jahre als Larve im Wasser, und nachdem sie geschlüpft sind, nur noch wenige Wochen als ausgewachsenes Insekt», erklärt er. Am Teichrand zeigt er an einem Grashalm eine verlassene Hülle. Nebst den Libellen finden sich viele kleine Bewohner im Naturgarten. Käfer wie Bockkäfer, Reptilien wie Eidechsen und Blindschleichen, Amphibien wie Frösche und Molche sowie Schnecken, Schmetterlinge und Wildbienen. Immer, wenn Ronner ein neues Insekt entdeckt, informiert er sich darüber. In den letzten Jahren hat er sich eine Menge Wissen angeeignet. «Mich faszinieren die verschiedenen Lebensräume und das Zusammenspiel der Natur», sagt er.

«Wir müssen vermehrt weg von unserem Ordungssinn und den steifen Gärten.» Marcel Ronner, Naturgärtner

Was die Pflanzen anbelangt, so setzt Ronner hauptsächlich auf einheimisches Gewächs. Viele Leute haben beispielsweise eine Forsythie zur Zier im Garten», sagt er und erklärt, dass die Insekten in den Blüten dieses Hybrids gar keine Nahrung finden. «Die Tiere brauchen einheimische Wildpflanzen». In seinem Garten hat es davon mehr als genug, weswegen sich auch die kleinen Tiere dort wohlfühlen. Weiter wichtig sei Unterschlupf zu schaffen. So findet man im Garten auch Stein- und Asthaufen, unter welchen sich die Tiere verstecken können.

Mehr Platz für Pflanzen

Für sein Engagement für die Natur wurde Ronner kürzlich mit «drei Schmetterlingen» von Pro Natura Thurgau ausgezeichnet. Im Schreiben zur Auszeichnung steht ausdrücklich, dass die Jury mit der Vergabe von drei Schmetterlingen – die höchste der Auszeichnungen – sehr zurückhaltend ist. Ein grosser Erfolg für Marcel Ronner, ist er doch erst seit einem halben Jahr als Naturgärtner tätig. Voraussetzung für die Auszeichnung waren ein Besuch der Jury im Garten, 70 Prozent einheimische Pflanzen und die Einstellung der Gärtnerin bzw. des Gärtners zur Natur.

Mit seiner Aufgabe als selbstständiger Naturgärtner möchte Ronner anderen Gartenliebhabern zeigen, wie wichtig die Artenvielfalt ist. «Es braucht im Garten Platz für die Pflanzen.» Diese sollten nicht mit giftigen Mitteln bespritzt werden. Man könne mit wenig Aufwand aus Pflanzen naturfreundliche Mittel herstellen. Auf die Frage, wie viel Zeit ihr Garten in Anspruch nimmt, antwortet Danielle Hobi: «Wir können ihn mehr geniessen, als wir damit Arbeit haben», und ihr Blick schweift über die Pflanzenwelt. Zeit zum Geniessen und Zeit zum Beobachten. Wie die Schmetterlinge durch die Luft tanzen, wie Libellen sich häuten und Spinnen ihr Netz bauen.
Platz zum Verstecken: In Steinhöhlen und unter Ästen finden Tierchen einen Unterschlupf, in den Blüten der Pflanzen ihren Nektar.