Willkommen auf der „Zwärglifarm“

Beeren pflücken, Blumen pflanzen und Kälber beobachten:
In der Bauernhof-Spielgruppe «Zwärglifarm» in Sargans entdecken
Kinder die Welt der Landwirtschaft, der Natur und der Tiere.

Ein ruhiger Morgen, es ist halb neun, der Himmel ist bewölkt. «Achtung, spielende Kinder», steht auf einem kleinen Schild vor dem Hof der Familie Broder. Dieser Hinweis gilt allen Autofahrenden, die an diesem Montag den Saarhof in der Sarganser Rheinau passieren. Denn heute treffen sich bei Lea Broder-Zimmermann und Nicole Gansner elf Kinder, die sich alle auf das Spielen und Werken in der Natur freuen. Es ist deren zweitletzter Besuch auf der «Zwärglifarm», der Bauernhof-Spielgruppe Sargans.

Jacke und Stiefel oder gute Schuhe montiert, machen sich die Kinder nach dem «Grüezi mitenand»-Lied direkt zum Spielplatz auf. Das Gerüst mit Schaukel, Kletterwand und Rutschbahn fungiert als Piratenschiff und die Insassen segeln auf hoher See. Andere Kinder sitzen im Sandkasten, wieder andere schaukeln oder fahren mit Miniaturtraktoren und -gefährten auf dem Hof herum. «Es ist wichtig, dass wir den Kindern Zeit zum Spielen geben», erklärt Broder und schaut dabei rüber zu ihren Schützlingen. Sie und Kollegin Gansner haben einen Plan, wie sie den Morgen gestalten, sind aber flexibel. «Uns ist es wichtig, dass die Kinder mitbestimmen, was wir machen», so Broder. Strukturen kämen mit Kindergarten und Schule noch früh genug.

Dem Herzen gefolgt

Eine Bauernhof-Spielgruppe, ein Traum, den sich Lea Broder im Sommer vor einem Jahr erfüllte. Im letzten Jahr hat sie die Ausbildung zur Spielgruppenleiterin gemacht und im Sommer 2017 das erste Mal auf die «Zwärg­li­farm» eingeladen. Gansner hat schon vor einiger Zeit von Broders Herzenswunsch Wind bekommen. «Ich freue mich, dass sie sich ihren Wunsch erfüllen konnte und ich sie auf diesem Weg begleiten darf», so Gansner, Mutter zweier Kinder. Gemeinsam blicken sie auf ein erfolgreiches erstes Jahr der Spielgruppe zurück und betonen, dass sie beide viel dazugelernt und sich in dieser Zeit gefunden haben. Ein Duo, dass sich gut versteht und ergänzt.

Nach dem Spielen steht bereits das Znüni-Essen auf dem Programm. Dieses besteht heute aus Früchten – direkt vom Bauernhof. Gemeinsam macht sich die Truppe auf zum grossen Kirschbaum. Eine nach der anderen landen die saftigen Kirschen im Korb. Jetzt noch auf zu den Beeren im Garten. Davor gibt es allerdings ein «Geschenk» für zwei Kinder: Immer, wenn jemand Geburstag feiert, darf dieses Kind mit Pascal Broder eine Runde Traktor fahren. Heute sind zwei Geburstagskinder an der Reihe. Lea Broder hilft auf den hohen Sitz hoch, und los gehts. Die anderen Kinder winken zum kurzen Abschied zu. Als beide wieder festen Boden unter den Füssen haben, gibts einen kurzen Abstecher in den Garten, Himbeeren und Erdbeeren pflücken. Dazu noch ein Stück Kuchen – der Geburtstage wegen –, fertig ist der Znüni. Den Kindern schmeckts.

Für die Bauernhof-Spielgruppe im neuen Schuljahr (ab August) hat Lea Broder bereits sieben Anmeldungen. Platz hat es für zwölf Kinder. Diese dürfen von überall her kommen, aus dem Sarganserland, Rheintal, Liechtenstein etc. «Wir sind eigentlich immer in der Natur», erklärt sie. Bei jedem Wetter, ob Wind, Regen oder Schnee. «Nur im Winter, wenn es ganz kalt ist, wärmen wir uns im Stall auf», sagt Broder. Was aber unterscheidet eine Bauernhof-Spielgruppe von anderen Spielgruppen? «Vor allem der Kontakt zur Natur und zu den Tieren.» So würden die Betreuerinnen mit den Kindern Kälber, Hund und Co. auf dem Hof beobachten und kennenlernen. Einmal durften die Kinder an einem Abend Landwirt Broder beim Melken zusehen. «Dabei haben wir ihnen alles über die Milch erklärt», so Broder weiter. Ausserdem setzen sie in der Spielgruppe Blumen, pflanzen Gemüse und schauen, wie alles wächst und gedeiht.

Was gerade Spass macht

Nach dem Znüni haben die Kinder noch einmal Zeit zum Spielen und Malen. Lea Broders Schwester kommt vorbei und installiert am Spielgerüst eine Fahne, ein Steuerrad und so etwas wie einen Wind- und Regenschutz. Damit die Piraten vor den hohen Wellen sicher sind. Gleich nach der Montur geht das Piratenspiel weiter. Die anderen Kinder malen, was ihnen beliebt. Broder schlägt vor, eine Zwergengeschichte zu zeichnen. «Aber jedes Kind darf selber entscheiden, was es auf das Papier bringen will», erklärt sie. Inspiration geben, aber wenn eigene Ideen vorhanden sind, sollen die Kinder diese ausleben. Kreativität fördern ist ein weiterer Punkt, der den Betreuerinnen wichtig ist. Um kurz vor elf Uhr folgen das Aufräumlied und eine Geschichte. Die Eltern fahren mit den Autos vor und holen ihre Kinder ab. Für nächste Woche ist ein Brunch mitsamt Verwandten oder Bekannten geplant. Ein letztes Mal «Zwärglifarm», bevor das Abenteuer Kindergarten beginnt.