Alles,was ein Mädchenherz begehrt

Am Mädchentag im Melser Schulhaus Feldacker hat sich alles um die weibliche
Jugend gedreht. Ob Schminken, Tanzen, Basteln oder Singen: Der Anlass hatte
für den Geschmack jeder Teilnehmerin etwas zu bieten.

Die Aula des Schulhauses Feldacker in Mels ist voll: Über 200 Mädchen sitzen vor der kleinen Bühne und warten auf den Start. Alle haben sie, Mädchen und junge Frauen von elf bis 16 Jahren, einen roten Bändel um den Hals. Ein Zeichen, dass sie Teil des bereits sechsten kantonalen Mädchentages sind. Von überall her, aus der Region Bodensee, dem Rheintal, dem Linthtal, haben sie den Weg nach Mels gefunden, um einen Tag ganz im Zeichen der Mädchen zu erleben.

Auf der Bühne begrüsst Sarah Lip­pu­ner, junge Moderatorin beim Radio FM1, drei Vorbildfrauen. Die erste ist Doris Mete, Rapperin aus Uzwil, die bei «The Voice of Germany» Erfahrungen gesammelt hat, welche ihr «niemand nehmen kann». Als zweite Vorbildfrau rollt Alexandra Helbling im Rollstuhl vor. Seit ihrem sechsten Lebensjahr, nach einem Unfall, ist sie an den Rollstuhl gebunden. Die Sportlerin aus Azmoos fährt Rennrollstuhl und möch­te es an den Paralympics 2020 in Tokio bis in die Finals schaffen. «Benutzt das Wort ‘behindert’ nicht zum Beleidigen», gibt sie den Mädchen mit. Als dritte Vorbildfrau ist Monika Hollenstein vor Ort, Oberärztin im Spital Grabs, die sich in einer Männerbranche durchgesetzt hat, in welcher immer mehr Frauen ihren Platz finden. Alle drei haben auf ihre Weise Grosses erreicht und möchten den anwesenden Mädchen Ehrgeiz und Durchhaltewillen mitgeben. Und was vor allem wichtig ist: das, was man macht, gerne machen.

Ein Mix für alle

Den ganzen Nachmittag verbringen die Mädchen mit Workshops. Und von diesen hat es zahlreiche. Von 19 Workshops darf jede Teilnehmerin einen aussuchen und diesen besuchen. Die Spannbreite zieht sich von Karate bis zum Reparieren eines Bikes, von Theaterspielen bis zum Basteln eines Notizbuches aus Filz. «Wir haben bei den Vorbereitungen darauf geachtet, dass es für alle etwas dabei hat», erklärt Se­rafine Amstutz, Projektleiterin und Jugendarbeiterin bei der Mojas, Jugendarbeit Mels/Sargans/Flums. Da kommen bei Mädchen vor allem Sachen wie Singen, Tanzen und Beauty infrage. Natürlich überlege man sich auch etwas ausgefallene Workshops. So haben einige Mädchen beispielsweise die Feuerwehr mit «richtigem» Lösch­einsatz kennengelernt.

Hinter dem Mädchentag steckt eine Philosophie: Alle Mädchen sollten die Gelegenheit haben, Neues auszuprobieren und Kontakte zu knüpfen. So auch die Jugendarbeiterinnen, welche den Tag ebenfalls für den Austausch untereinander nutzen können. Und jedes Mädchen soll es sich leisten können, auch wenn nicht alle die gleichen finanziellen Voraussetzungen haben. Die Organisatorinnen mit Gastgeberin Mojas und vielen Helferinnen aus der regionalen Jugendarbeit haben sich für diesen Tag mächtig ins Zeug gelegt und einen straffen, abwechslungs­reichen Tagesablauf auf die Beine gestellt.

Inspiration sammeln

Alle Mädchen verbringen den ganzen Nachmittag mit einer Tätigkeit, der sie teilweise noch nie nachgegangen sind. In einigen Workshops, wie dem Rappen, ist es lauter, in anderen, wie dem Bleistiftzeichnen, sind alle ruhig und konzentriert. Doch eines haben alle Workshops gemeinsam: Sie bringen Lehrreiches und geben Inspiration für neue Freizeitbeschäftigungen.
Nach den Workshops stehen bereits das Abendessen und die Vernissagen der kreativen Workshops an. Da können die Mädchen sehen, wie die Filz­notizbücher gestaltet, wie die Cup­cakes dekoriert, was für Badekugeln gezaubert wurden, und vieles mehr. Schliesslich sollen die Künstlerinnen Gelegenheit haben, ihre Werke zu präsentieren. Zusätzlich stehen Infostände zu Themen in den Gängen. Natürlich wird nach dem Essen gefeiert. In der Disco dürfen Auftritte aus den Workshops und von Rapperin Doris Mete nicht fehlen. Ein Tag voller neuer Eindrücke, neuer Erfahrungen und vielleicht auch neuer Freundschaften neigt sich dem Ende zu.

«Der Tag ist sehr gelungen», freut sich Serafine Amstutz. «Wir waren gut vorbereitet und konnten auf viel Un­ter­stützung zählen». Positiv sind die Rückmeldungen, aber auch das Wetter und die Stimmung. Die Sonne und auch die lachenden Gesichter bleiben den ganzen Tag.

Vier Fragen an Serafine Amstutz, Projektleiterin und Jugendarbeiterin, Mels:

1 Die Organisation des Mädchentages war intensiv und hat sich über ein ganzes Jahr hingezogen. Wie sind Sie dabei vorgegangen und welche Punkte im Programm waren Ihnen besonders wichtig? Ich war im Vorjahr schon im OK mit einem kleinen Ressort vertreten. Mit dem Wissen, dass ich fürs Jahr 2018 die Projektleitung übernehme. Ich habe beim alten OK angefragt, wer wieder Interesse hat, dabei zu sein, und gezielt die Jugendarbeitsstellen aus der Region angefragt. Da kam eine bunte Gruppe Frauen zusammen. Wir teilten uns in Ressorts auf und haben in Kleingruppen gearbeitet, und in gewissen Abständen trafen wir uns alle gemeinsam zur Grobplanung. Wichtig fürs Programm war uns, dass es bunt wird. Dass es Angebote aus ganz unterschiedlichen Gebieten gibt, damit wir eine breite Masse an Mädchen ansprechen können.

2 Warum braucht es Ihrer Meinung nach einen Mädchentag?

Beim ersten Mädchentag waren es um die 100 Mädchen, ein paar Jahre später doppelt so viele. Ich glaube, das spricht für sich. Es ist ein Bedürfnis der Mädchen und auch der Jugendarbeiterinnen im Kanton, einmal unter sich zu sein, sich zwanglos zu treffen, sich zu vernetzen, sich kennenzulernen, Spass zu haben, Freunde zu treffen und Neues auszuprobieren.

3 Was sollen die Mädchen von diesem Tag in die Zukunft mitnehmen?

Dass es ganz unterschiedliche Mädchen und Frauen gibt, die ganz unterschiedliche Interessen haben, auf ganz unterschiedlichem Weg ihr Leben gestalten und ganz unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen haben, wie die eigene Zukunft aussehen soll. Und das ist auch gut so.

4 Die verschiedenen Workshops sind bei den Mädchen gut angekommen. Nehmen Sie gewisse Erkenntnisse auch für die Tätigkeit in der regionalen Jugendarbeit mit?

Das hoffe ich. Ziel ist es, dass die Jugendarbeitsstellen durch diesen Tag auch Inputs und neue Anregungen für die Tätigkeit in der regionalen Jugendarbeit bekommen. Deshalb werden die Mädchen jeweils von der örtlichen Jugendarbeit begleitet und es wird auch für sie ein Programm am Nachmittag geboten.