Caspar, Melchior und Balthasar – Unterwegs mit den drei Königen

Gemütlich sitzen die Kinder an den beiden Tischen im Vilterser Pfarreiheim und essen ihre Spaghetti. Es ist Mittagspause. Bereits am Morgen waren die Sternsinger nach dem Gottesdienst zwei Stunden unterwegs. Nun ist Stärkung angesagt – auch, damit sie am Nachmittag noch einmal mindestens zwei Stunden von Haustüre zu Haustüre gehen können.

Sonja Kroiss, Pastoralassistentin, sitzt zwischen den Kindern. Sie hat das Projekt Sternsingen bereits einige Male organisiert. Heuer ist sie „nur“ Begleiterin. Erwachsene und Jugendliche begleiten die sechs Gruppen à drei Kinder auf ihren Routen. Erstens, damit sie mit den Kindern die richtige Route ablaufen, zweitens, damit keine Häuser vergessen gehen und niemand sagen kann, dass die Sternsinger nicht da waren und drittens: „Als Motivator, falls den Kinder mal die Lust vergeht, wenn die Bewohner nicht aufmachen“, so Kroiss.

Nach dem Essen geht es wieder los: Die Kinder schlüpfen in ihre Gewänder. Blau, rot und gelb sind sie. Ziehen ihre Mützen an. Das Kässeli, die Umhängetasche und der Stern von Bethlehem sind dabei. Als alles gepackt ist, machen sie sich auf den Weg. Alle Gruppen knüpfen bei dem Haus an, bei welchem sie vor dem Mittagessen aufgehört haben. Klingeln. Warten. Und dann geht die Türe auf:

 

Nach dem Eröffnungsgesang stellt sich jedes Kind vor: „Ich bi dä Caspar.“, „Ich bi dä Melchior“. „Min Namä ich Balthasar“. Die Heiligen drei Könige seien hier. Der Brauch der Sternsinger ist alt. Begleiterin der reinen Knabengruppe erzählt, dass bereits sie als Kinder „gesternsingert“ hat. Das Päpstliche Missionswerk missio erklärt: „Der Brauch des Sternsingens gründet in der Erzählung von den Weisen aus dem Osten, wie im Evangelium nach Matthäus zu lesen ist. Die Sterndeuter folgten einem aussergewöhnlichen Stern, der sie nach Bethlehem führte.“

 

Es folgt der Schriftzug. Die Bewohner dürfen zwischen mit Kreide geschriebenen Buchstaben und eine Kleber auswählen. So ist sie letztem Sonntag der Schriftzug 20*C+M+B+18 an zahlreichen Türen zu sehen. Die Jahreszahl sowie die Anfangsbuchstaben der drei Könige. Die Bewohner freuen sich über den Besuch der kleinen Könige, welche alle die vierte bis sechste Klasse besuchen. Kurz vor dem Abschied bekommen die Könige einen Batzen in ihr Kässeli gesteckt. Das Geld, das zusammenkommt, geht heuer zu einem grossen Teil nach Indien und wird dort gegen Kinderarbeit eingesetzt. Ein zweiter Teil wird an die Institution eines regionalen Kaplans gespendet.

 

Freundlich bedanken sich die Sternsinger und verabschieden sich: „Caspar“, „Melchior“, „Balthasar“. Dazu je eine kleine Verbeugung. Sie ziehen weiter, ihrer Begleiterin nach. Denn es warten noch einige Häuser und Bewohner auf ihren Segen.

Anmerkung der Autorin: Dieser Audio-/Textbeitrag entstand eigens für diese Seite.